„Wolke sechs“, ein Roman über den Super-GAU in Tihange

10. Juli 2018 | Veröffentlicht von Aktionsbündnis gegen Atomenergie / ws

Buchbesprechung durch das Aachener-Aktionsbündnis-gegen-Atomkraft

Am 4.7.18 gab es eine Lesung des Romans „Wolke sechs“ von Roland Siegloff im ‚Kukuk‘. Es handelt sich um den ersten Roman, der sich (fikiv) mit den Folgen eines SuperGAUs im AKW Tihange beschäftigt.
Der Buchtitel „Wolke sechs“ spielt an auf die entscheidende Wolke, die dem AKW entweicht und die die nukleare Verseuchung in sich trägt. Warum das Buch entstanden ist blieb unklar. Der Autor lebt seit Jahren in Berlin, hat die Motivation für sein Buch dort aber sicher nicht bekommen. Andererseits war er 10 Jahre als Korrespondent in Brüssel und hat daher immer noch Bezüge in unsere Region.

Zur Lesung waren leider nur zwei Zuhörer erschienen. Ursache für diesen geringen Besuch war sicher, dass in den Ankündigungen das Thema AKW-Tihange als wesentlicher Teil der Lesung nicht deutlich genug erwähnt wurde. Sonst wären – bei der Popularität des Tihange-Themas sicher mehr Zuhörerinnen erschienen. Hinzu kam, dass parallel an gleichen Abend eine sehr große Veranstaltung „Der Traum ist aus… oder? – Die 68er und was von ihnen übrig bleibt“ im Ludwigmuseum stattfand, die auf ein ähnliches Publikum abzielte und sehr prominent besetzt war.

Der Roman beschreibt fiktiv einen Super-GAU in Tihange

Einer der Protagonisten ist Atomlobbyist. Durch seinen Job wird er früher als die Normalbürger gewarnt und flieht vor seinen Mitmenschen. Auf dieser Flucht lernt er durch den GAU die Konsequenzen einer nuklearen Katastrophe kennen. Und natürlich er muss sich nun wegen seiner bisherigen Tätigkeit als Nuklearlobbyist gegenüber seiner Familie & Freunden rechtfertigen. Man erlebt mit den Hauptpersonen, wie sich die Auswirkungen der Nuklearkatastrophe noch bis weit nach England ziehen.

Der Autor setzt (heute) deutliche Hoffnungen in das Projekt „EU“, wenn er mit Wehmut den Zusammenbruch dieses Traums als Konsequenz der gesellschaftlichen und ökonomischen Schäden durch den GAU beschreibt.

Die Flucht führt von Brüssel bis in die Slowakei

Dabei überspannt die Geschichte einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren nach dem GAU.
Das Buch verfolgt detailreich viele Nebensächlichkeiten und fokussiert nicht scharf auf die Ursachen und kriminellen Handlungen der Atom-Industrie und deren Lobby. Wer als militanter Atomkraftgegner das Buch liest, wünschte sich eine deutlich härtere Gangart der Geschichte – und viel mehr Hintergründe und Kritik an der Atom-Maffia. Im Buch kommen die Verantwortlichen der Katastrophe und die Nutznießer der Atom-Mafia eigentlich gar nicht vor – und somit völlig ungeschoren aus der Geschichte heraus.

Trotzdem ist es als erstes ‚belletristisches Buch gegen Tihange‘ wichtig und wir danken dem Autor!

==> Hier zu weitere Besprechungen des Buches.

Das Buch „Wolke sechs“ von Roland Siegloff ist erschienen im Böhland&Schremmer Verlag und kostet 12,95 €