Zwangsprostitution in Aachen

25. Mai 2012 | Veröffentlicht von Jens Wegener / ws

Ein Vortrag über Zwangsprostitution und Menschenhandel

Am Mittwoch, 23.05.12, lud das Institut für Soziologie an der RWTH Aachen gemeinsam mit der Katholischen Hochschule und verschiedenen Organisationen zu einer Veranstaltung zum Thema Zwangsprostitution und Menschenhandel in Aachen.

Zwei Referate

Eingeleitet wurde der Abend mit zwei wissenschaftlichen Referaten zum Thema Gewaltforschung und Prostitution und Migration von Professor Dr. Frieters-Reermann (KatHo NRW) und Celina Proch (IfS RWTH Aachen). Frau Proch wies in ihrem Referat nach, dass gerade die Illegalität der Frauen in Deutschland die Prostitution fördere. Diese Frauen würden unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt werden, wo sie in ein Abhängigkeitsverhältnis versetzt würden, weil z.B. die Menschenhändler plötzlich Rechnungen für die Einreise verlangten. Zwar sei einigen Frauen vorher bewusst, dass sie als Prostituierten arbeiten sollen, die Umstände dieser Arbeit werden aber ebenfalls verschwiegen.

Ökonomische und familiäre Gründe für Prostition

Im anschließenden Teil stellte Oana Androne (Projektmanagerin Leonardo Murialdo Foundation, Rumänien) die Situation der Frauen in Rumänien dar, warum sie in die Prostitution gehen. Dabei spielen, so Androne, besonders ökonomische Gründe eine große Rolle, auch die schwierigen familiären Verhältnisse und eine frühe Erfahrung mit Gewalt bereitet den Weg zur Prostitution.

Roshan Heiler vom Netzwerk Solwodi Aachen zeigte dem Zuhörer die Sicht einer Sozialarbeiterin auf, die seit über einem Jahr in der Aachener Antoniusstraße arbeitet. Dabei betonte auch sie, dass viele Prostituierte aus Rumänien kommen und dass die Bedingungen menschenunwürdig seien unter denen die Frauen arbeiten. Neben geringen Einnahmen müssen die jungen Frauen hohe Gelder an Zuhälter und auch an Schutzgeld bezahlen.

Diskussion

In der Diskussionsrunde betonte Staatsanwältin Breuer, dass die neuen Prostitutionsgesetze nichts bewegt hätten und das auch in Zukunft nicht tun würden. Frau Heiler kritisierte den deutschen Staat darin, dass im Gegensatz zu Belgien und den Niederlanden die Frauen nicht verpflichtet seien, eine Krankenversicherung abzuschließen und Sprachkenntnisse zu erwerben. Gerade dies könne Zwangsprostitution erschweren.

Weniger bürokratische Hindernisse bei Eröffnung eines Bordells als bei einer Dönerbude

Bei den anschließenden Fragen aus dem Publikum dürfte es besonders Herrn Emonts warm geworden sein. Der Vertreter des Fachbereichs Soziales und Integration der Stadt Aachen stieß auf viel Unverständnis, dass die Ordnungsbehörden machtlos sind gegen die Prostitution und dass es einfacher ist ein Bordell zu eröffnen, anstatt eine Dönerbude. Auch die Information, dass ein von der Stadt erworbenes Gebäude in der Antoniusstraße an einen Bordellbetreiber vergeben werden soll, der ein vorbildliches Bordell betreiben soll, fand außer Gelächter nur wenig Anklang.


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