Zweckmäßige Taktik gegen Zerstörung des Hambacher Waldes?

26. Februar 2017 | Veröffentlicht von Helmut Lenders / ws

Können Geheimverhandlungen die Zerstörung des Hambacher Waldes stoppen?

Seit Mai 2014 veranstalten der Waldpädagoge Michael Zobel und seine Freundin Eva Führungen durch den übriggebliebenen Rest des einstmals 6000 ha großen Hambacher Waldes, der noch für den geplanten RWE-Tagebau Hambach weichen soll. Am letzten Sonntag, dem 19.2. versammelten sich wieder mehr als 1000 Interessierte zu der inzwischen 35. Führung. Waren es zu Beginn nur ein paar Dutzend Neugierige, so haben inzwischen mehrere Tausend Menschen an den Waldspaziergängen teilgenommen.

Zerstörung des Hainbuchenwald

Häufigere Besucher mussten in der Folge erleben, wie trotz ihrer friedlichen Proteste der in Europa einzigartige Stieleichen- und Hainbuchenwald Jahr für Jahr immer weiter zerstört wurde – zunächst von RWE-Kettensägen und dann von monströsen Schaufelradbaggern. Die alte A4 wurde weiter nach Süden auf die Ortschaft Buir hin verlegt.

Geheimverhandlungen?

Dem Großteil der Waldspaziergänger blieb allerdings verborgen, dass parallel zu ihren Demonstrationen Geheimverhandlungen liefen.  Ob die Initiative dazu wirklich von der Grünen Landtagsabgeordneten Zentis ausging oder ob von RWE initiiert, sei dahingestellt. Auf ihre Einladung hin trafen sich jedenfalls regelmäßig niederrangige Vertreter von RWE, Dirk Jansen vom BUND, Vertreter der Bürgerinitiative ‚Buirer für Buir‘ und evtl. noch andere Gruppierungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu Geheimgesprächen über die Zukunft des Tagebaus und somit auch über die des Hambacher Waldes. So lauten zumindest die Gerüchte. Wer da genau an diesen Geheimverhandlungen beteiligt ist, das wollte MdL Zentis auf Nachfrage nicht verraten. Sie zeigt sich sogar erstaunt darüber, dass trotz eines vereinbarten Stillschweigeabkommens etwas in die Öffentlichkeit durchsickern konnte.

Helfen ‚Geheim‘-Verhandlungen?

Die Bürgerinitiativen mögen im guten Glauben gehandelt haben und in der stillen Hoffnung, man könne wenigstens so lange, wie  die Geheimgespräche liefen, den Abriss des Waldes zumindest an der Roten Linie der alten A4 aufhalten, wenn nicht sogar stoppen. Dies hat sich leider in der Zwischenzeit als Wunschvorstellung erwiesen. Entgegen der Hoffnung, die RWE geweckt hatte und während die Geheimgespräche noch weiterliefen, hat RWE auch in der diesjährigen Rodungssaison weitere 70 ha des Waldes abgeholzt.
Erstaunlich ist nicht nur, dass überhaupt Geheimgespräche liefen, sondern dass insbesondere auch die unmittelbar Betroffenen, i.e. der Wiesenbesitzer Kurt Classen, der den Waldbesetzern auf seiner Wiese solidarisch eine kostenlose Camp-Möglichkeit bot, und eben diese nicht einmal über den Beginn der Geheimverhandlungen informiert wurden. Kurt Classen wurde stattdessen von RWE und willfährigen Behörden bis über beide Ohren mit Klagen eingedeckt, so dass ihm der finanzielle Ruin droht.

Geheimverhandlungen -vorteilhaft für wen?

Immer wenn Geheimgespräche mit RWE laufen, steht der Verdacht im Raum, dass Absprachen für die an diesen Gesprächen Beteiligten getroffen werden, die deren partikuläre Interessen bedienen könnten. Dies hat RWE in der Vergangenheit u.a. bei den Geheimverhandlungen mit Haus-, Hof- und Grundbesitzern in den zum Abriss anstehenden Dörfern rund um die Tagebaue Garzweiler, Inden und Hambach so durchexerziert. Misstrauen und Missgunst wurden gezielt provoziert, Nachbarn wurden zu Feinden und alle gegeneinander ausgespielt.
Ein ähnliches Szenario droht sich jetzt zu wiederholen.
Der BUND z.b. besitzt ein Grundstück, welches RWE zur Erweiterung des Tagebaus benötigte. Auf richterlichen Beschluss hin durfte RWE dieses Grundstück zwar wegbaggern, eine finanzielle Entschädigung dafür steht aber noch aus.
Das primäre und absolut verständliche Interesse der ‚Buirer für Buir‘ besteht darin, die RWE Abrisskante möglichst weit vom Ortsrand entfernt zu halten.

Avantgarde des Widerstands ist ausgegrenzt

Die eigentliche „APO“, also die Avantgarde des Widerstands, sind die Wald- und Baumbesetzer. Sie stellen für den BUND und manch anderen inzwischen nur noch lästige Störer dar. Gegen sie schickte auf Zuruf von RWE der Landrat des Kreises Düren, Leiter der Polizeibehörde und Mitglied des Aufsichtsrats von RWE-Power Wolfgang Spelthahn  in Nacht- und Nebel-Aktionen seine Polizei. Die überwiegend jugendlichen Waldbesetzer wurden drangsaliert, mehrere von ihnen verhaftet. Es ist nicht auszuschliessen, dass RWE zeitweise Agents Provocateurs unter die Waldbesetzer schleuste, um für die Medien-Mainstream willkommene Schlagzeilen zu produzieren.

Und mittlerweile scheint es RWE so gelungen zu sein, die ehemals einheitliche Front des Widerstands zu spalten.
Zuletzt wirkte es so, als ob die Waldbesetzer bei den Führungen nur noch als folkloristisches Beiwerk in Erscheinung traten und nicht mehr als die, die den eigentlichen Widerstand tragen/getragen haben.

Wie es scheint, kann sich RWE jetzt die braunkohlenschwarzen Hände reiben nach dem Motto ‚Wenn man schon einen Gegner bekommt, dann kreiert man sich den, den man unter Kontrolle hat‘.

gez. Helmut für -=newscan=-

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