Zwei Euro übrig?

3. Februar 2017 | Veröffentlicht von Heinz Richrath / ws

Kaufen sie sich den Aachener Dom!

Wie die meisten deutschen Printmedien kämpft der Aachener Zeitungsverlag um Leser.Viele Menschen haben ihr Vertrauen in eine unabhängige Presse verloren und sind nicht mehr bereit für unkritische Hofberichterstattung zu zahlen. Die „frohe“ Botschaft gelangt trotzdem zum Bürger.

Die Werbezeitschriften „Super Sonntag“ und „Supermittwoch“ werden hunderttausendfach, kostenlos in die Briefkästen der Region geworfen.Gerne dient die Werbezeitschrift bekannten Politikern als Forum ihre Weltsicht auszubreiten. In nahezu jeder Ausgabe finden sich Artikel mit Bezug zur katholischen Kirche.

In der Ausgabe vom 29.Januar 2017 veröffentlicht der „Supersonntag“ unter der Überschrift „Wir ermöglichen und fördern Angebote“ einen Artikel über die Finanzsituation des Bistums Aachen und die Verwendung der Gelder. Anlass für folgende kritische Betrachtung von Heinz Richrath:

Wie sich das Bistum arm rechnet

Natürlich können sie den Aachener Dom nicht für 2,-Euro kaufen.Das Gotteshaus ist unverkäuflich.Aber mehr als 2,-Euro ist der Dom inclusive Grundstück, laut Bilanz des Domkapitels, nicht wert.
Schön ist an Bilanzen; Man kann sie manipulieren, undurchsichtige Abschreibungsmethoden zu Hilfe nehmen und jede Menge Fantasie bei der Gestaltung anwenden. Katholiken verfügen über jede Menge Fantasie.
Auch Menschen, die nicht Betriebswirtschaft studiert haben, dürfte klar sein, dass der Dom mehr wert ist, als 2 Euro. Könnte man den Dom abreißen, ein Parkhaus dort bauen, würde sich sicher ein „Investor“ finden, der mehr als diesen lächerlichen Betrag für das Grundstück bezahlt.Auch für das ein oder andere Schätzchen im Dom würde sich sicher ein Käufer finden. So viel zum Sinn solcher Bilanzen.

„Lassen sie mich mitleben“

Mit dieser Bitte wandte sich der neue Aachener Bischof Helmut dieser bei seinem Einführungsgottesdienst an die Aachener. Dagegen kann niemand etwas haben, würde nur endlich das „von uns Leben“ aufhören.

Sie säen nicht, sie ernten nicht und der Steuerzahler ernährt sie doch.

2015 erhielt das Bistum Aachen 243,7 Millionen Euro aus Kirchensteuereinkommen.Das ist etwa ein Viertel der  Summe, die der Stadt Aachen für die Haushaltsplanung 2017 zur Verfügung steht.Nur um einmal die Dimensionen zu verdeutlichen. Das üppige Bischofsgehalt (ab 8000,- Euro Grundgehalt monatlich) wird davon nicht bezahlt.

Obwohl das Grundgesetz eine Trennung von Staat und Religion vorsieht, wird das bischöfliche Spitzenpersonal in Deutschland, bis auf wenige Ausnahmen, aus allgemeinem Steueraufkommen der Länder finanziert. Seit Gründung der BRD flossen auf diesem Weg über 15 Milliarden Euro an die katholische und evangelische Kirche. Allein 2012 waren es fast 475 Millionen Euro.

Während der Kirchenaustritt eines Angestellten einer kirchlichen Einrichtung zum Jobverlust führen kann, nimmt man großzügig öffentliche Gelder an. Da spielt die Religion oder der Atheismus des Steuerzahlers überhaupt keine Rolle.
Man findet Trost im Glauben.

„So lang das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“

Egal, ob man Moslem, Jude oder Atheist ist. Alle zahlen für die christlichen Kirchenfürsten. Kämen sie als Dortmundfan auf die Idee, das Gehalt von Arjen Robben oder Frank Ribbery zu bezahlen? Mit Gewissheit nicht.

Geradezu peinlich, mit welcher Begründung die staatlichen Transferleistungen von den Klerikern verteidigt werden. Sie gelten als „Entschädigung“ für die Enteignung von Kirchenbesitz zu Beginn des 19. Jahrhundert im Zuge der Säkularisierung. Zu dieser Zeit war Galileo Galilei für die katholische Kirche noch ein Ketzer. Beim konfiszierten Besitz handelte es sich größtenteils nur um Vermögen, dass man sich in Jahrhunderten davor erschlichen, zusammengeraubt und geklaut hat.

Darauf fordert man eine Entschädigung bis in alle Ewigkeit. Amen!

Die katholische Kirche wäre nicht seit Jahrhunderten der erfolgreichste Großkonzern, würde sie für das Ende der Entschädigungzahlungen nicht ebenfalls eine Entschädigung verlangen. Angeblich machte Jesus Wasser zu Wein. Seine bischöflichen Jünger predigen Wasser und trinken Wein. Manchmal fahren Evangelische danach auch noch Auto. Alles menschlich, allzumenschlich.

Was treibt die Kirche mit all den Millionen, die ihr aus Kirchensteuereinkommen und staatlichen Subventionen zur Verfügung stehen? Manch ein Bischof gönnt sich eine teure Badewanne. Das ist ärgerlich aber belanglos.

Fatal wird die Angelegenheit, wenn das Geld verwandt wird, um Schulen zum ‚Lernort des Glaubens‘ zu machen. Schulen sollen Wissen und soziale Kompetenz vermitteln, keinen Glauben!

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